Kaffeebecher mit Milchmädchenrechnung

In meinem kleinen Studiengang studieren derzeit 23 Studenten (naturwissenschaftliche Spezialeinheit – nur vom Feinsten). Davon trinkt mindestens die Hälfte täglichen einen Kaffee in der Cafeteria. Der Rest trinkt keinen Kaffee oder auch mehr als einen. Ich postuliere nun einen täglichen Kaffeeverbrauch innerhalb des Studiengangs von 20 Tassen pro Tag und diese Annahme ist an der unteren Grenze der Erwartung. Grob gerechnet studiert ein Student im Jahr ca. 130 Tage (6-7 Monate à 22 Wochentage). Mit meinen außerordentlichen mathematischen Fähigkeiten komme ich somit auf einen jährlichen Bedarf von 2600 Tassen. Für einen kleinen Studiengang nicht schlecht, aber früh morgendlich unabdingbar. Nebenbei beinhaltet ein durchschnittlicher Filterkaffee (0,2l) 125mg Coffein. Auf meinen Studiengang umgerechnet bedeutet das wiederrum eine Aufnahme von 332800mg bzw. 332g purem Coffein jedes Jahr. Da die letale Dosis ab der 50% der Frauen (65kg) den Kaffeelöffel abgeben bei 26g liegt, ist im täglichen Konsum durchaus noch Platz nach oben. En passant kann Aspartam, als zuckerfreies Süßungsmittel des Kaffees schon bei weitaus geringeren Mengen (3,71 mg / kg Körpergewicht) toxische Wirkungen zeigen. Mit der Infoflut und der eindrucksvollen Rechnerei wollte ich nur etwas Eindruck schinden, sowie eine schöne Einleitung für die eigentliche Problematik liefern. Ernsthafte Themen, die wir in diesem Blog ansprechen und damit die Welt verändern wollen. Denn wir arbeiten hier hin zu einer besseren Welt mit weniger Kaffeebechern.

Kaffeebecher –was will der Typ von uns!?

Jeder kann die CO2-Emission senken, Elektroautos entwickeln oder Atomkraftwerke abschalten. Doch die Dinge des alltäglichen Lebens bieten viel mehr Platz für sinnvolle Veränderungen. Von den 2600 Tassen, die meine Kommilitonen jedes Jahr trinken sind sicher 2/3 in Einwegbechern abgefüllt (=1720 Becher). Man schätzt die Wiederverwendbarkeit eine normale Porzellantasse im Schnitt auf 400 Tassen Kaffee. Mal abgesehen davon, dass oftmals mehr als 4 meiner Kommilitonen gleichzeitig in der Cafeteria sitzen, würden 4 Porzellantassen ausreichen um unseren Jahresbedarf an Coffein seiner Bestimmung zuzuführen. 1 Tasse unter Energieaufwand produziert, jedoch mit hoher Lebensdauer. 400 Becher aus finnischem Holz, die in China zu Bechern verarbeitet werden und nach ihrem meist kurzen Erfüllung ihrer Pflicht,  in der energetischen Müllverwertung ihr Ende finden. Nochmal anders ausgedrückt. Holz aus Finnland wird in mehreren Produktionsschritten unter Energieaufwand zu einem Becher aus China verarbeitet. Dieser wird quer durch die Welt transportiert und exakt einmal benutzt. Letztlich verdampft er hauptsächlich als CO2 und Wasser, sowie etwas Energie, die jedoch den zur Produktion eingesetzten Aufwand nie erreicht. Klingt alles ziemlich mies, aber betrachten wir auch die  positive Seite:  Wir trinken nochmal aus den Bäumen bevor wir sie verheizen. Hier schließe ich nun meine Abrechnung mit dem Einwegkaffeebecher ab. Soll sich nun jeder seine eigenen Gedanken zur Thematik machen. Will ja auch kein Moralapostel sein und sagen ich wäre besser als all die anderen.

Doch, ich bin es. Ich bin seit letzter Woche ein besserer Mensch, denn ich trinke nur noch aus meinem Kunststoffdesignerkaffeebecher von BRUKO mit Sip&Cool – Funktion. Jeden Morgen schreite ich in den Hörsaal und werfe den Pappbechertrinkern verachtende Blicke zu, während ich meinen wohl temperierten Kaffee schlürfe. Auch wenn ich beim Kauf des Designerbechers nie an meinen Pappbecherverschleiß gedacht haben, sondern nur daran wie verdammt teuer der fair gehandelte Filterkaffee des Studentenwerks im Gegensatz zu meinem geilen, starken Kaffee zu Hause ist, fühle ich mich durch den Nebeneffekt des Bäumerettens extrem befriedigt. Wer die Ironie im letzten Satz bemerkt, witzig findet und einen Comment dazu schreibt, gewinnt eine Kaffemaschine.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Campus, Im Namen der Wissenschaft, Karlsruhe abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Kaffeebecher mit Milchmädchenrechnung

  1. ME schreibt:

    Darauf, dass dein Baum gerettet wird kannst du lange warten. Solltest dich weiterhin damit zufrieden geben, nur daran zu denken 😛

  2. Pingback: Vor einem Jahr… | Studieren in Karlsruhe

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s