Das Vegetarismus Experiment

Die Straße zu einem leckeren Essen ist bei mir und vielen anderen Menschen gepflastert mit Leichen und Blut vieler Tiere, die für meinen Genuss sterben mussten. In keinster Weise möchte ich jedoch auf diese bereichernde Facette auf meinem Speiseplan verzichten. Konsistenz und Aroma sind zu überragend, die Zubereitungsarten zu abwechslungsreich, als dass ein Gemüse dies ersetzen könnte. Nebenbei möchte ich erwähnen, dass ich Gemüse nicht verschmähe. Es gehört ebenso in allen Variationen zu meinem täglichen Essen, setzt sogar manchmal ganz ohne Fleisch seine eigenen Akzente. Über eine längere Dauer könnte ich aber nur mit Gemüse nicht glücklich werden. Fleisch ist vorhanden, warum soll man es nicht essen? Warum verzichten wir nicht auf Schokolade und essen andere Süßigkeiten? Immerhin werden dafür in Afrika Kinder entführt und zur Arbeit gezwungen. Scheint mir politisch und ethisch etwas verwerflich. Wer Fleisch vom Discounter politisch inkorrekt findet, bekommt bei Metzger seines Vertrauens ein besseres Stück Fleisch. Wer es ethisch inkorrekt findet Tiere zu töten und zu essen, kann zumindest noch Aas von der Straße kratzen oder verendete Tiere verwerten (lecker ^^). Unsere Vorfahren wären verhungert, hätten sie nicht gejagt und in manchen Flecken dieser Welt freut man sich ebenso über jedes Stück Fleisch. Und so wie viele Fleisch als Luxus bezeichnen, attestiere ich auch dem Vegetarismus eine Luxuserscheinung zu sein. Denn nur wir können es uns leisten auf eine so ergiebige und schmackhafte Eiweißquelle zu verzichten.

Mein Fazit deshalb: Jedem das Seine. Vegetarier fühlen sich mit ihrem Verzicht auf Fleisch gut. Ich fühl mich gut, wenn der Saft eines rosa gebratenen Rumpsteak jede Geschmacksknospe in meinem Munde liebkost. Ich verschließe mich aber nicht vor Neuem und als Mann von Welt habe ich mich auf ein kleines Experiment eingelassen. 2 Tage ernähre ich mich (länger ging nicht) nur von Gemüse und Fleischersatzprodukten (ohne Ersatz ging auch nicht). Der erste Schritt war ein Einkauf bei einer großen Biosupermarktkette. Seitan, Tofu und viel Gemüse standen anschließend bereit und wurden von mir fachmännisch verarbeitet. Daraus wurde z.B. eine Tofu-Mangold Suppe oder knusprige Seitannuggets. Man muss ehrlich zugeben, das Essen war sehr gut! Natürlich lag es primär an meinen exorbitanten Kochkünsten, aber ein Koch ist auch nur so gut wie seine Zutaten. Glücklich über diesen Kocherfolg, wollte ich natürlich die Welt über Facebook daran teilhaben lassen. Zu meiner Ernüchterung musste ich feststellen, dass die Welt wohl noch nicht bereit für solche Experimente war. Ich wurde von Freunden online gedemütigt und sogar von Vegetariern lächerlich gemacht. Nur wenige (hauptsächlich Vegetarier) fanden lobende Worte für meine unversperrte Art. Die lobenden Worte wurden jedoch postwendend von den Fleischfressern in den Schmutz gezogen und es entstand eine Diskussion unter meinen Fotos, in der sich sprichwörtlich niemand die Wurst vom Brot nehmen lassen wollte.

Ich weiß nun, dass die Menschheit noch nicht bereit ist für eine Welt in der Vegetarier und Fleischesser friedlich zusammenleben. Aber ich werde mit wehenden Fahnen vorangehen und den Fleischersatz in meine Ernährung aufnehmen. Niemals jedoch um das Fleisch zu ersetzen, vielmehr um meine Küche mit einigen kreativen Zutaten zu bereichern. Irgendwann werde ich die Lager durch diesen heroischen Akt versöhnen und damit in die Geschichtsbücher eingehen als kulinarischer Revolutionsführer… oder so ähnlich.

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6 Antworten zu Das Vegetarismus Experiment

  1. der trollinger schreibt:

    sehr geehrter PS,

    mit rührung habe ich diesen artikel gelesen.
    ich möchte mich aufrichtig für alle anfechtungen gegenüber deines offenen und mutigen experiments entschuldigen.
    nicht jeder besitzt den mut sprichwörtlich die hosen so herunter zu lassen.
    hochachtung wirst du bei mir dafür trotzdem nicht bekommen.
    es ist ein irrsinn sich komplett vegetarisch bzw sogar vegan zu ernähren.
    täglicher fleischgenuss ist sicher nicht nötig, und wie von dir schon richtig erwähnt kann gemüse auch ohne fleisch etwas wunderbares sein.
    meines erachtens nach ist in diesem fall weniger auch mehr.
    man sollte sich mehr wert sein!
    weniger fleisch und dafür hochwertigeres und authentischeres vom metzger.
    lasset uns der fleischeslust fröhnen…!!

    der trollinger

  2. Made schreibt:

    Lieber PS,
    Lange nicht gesehen 😉
    Ich finde dein Experiment toll =) Natürlich weil ich selbst Vegetarierin bin 😉
    Fan von Tofu und Seitan bin ich desweg nicht. Das esse ich so gut wie nie. Meine Gelüste konzentrieren sich sehr auf Süßigkeiten und Obst

    Lieber Trollinger,
    Mir ist es sowas von egal wer wann wo warum und wieviel Fleisch ist. Ich lass die Fleischfresser in Ruhe und die mich. Da muss sich doch keiner fertig machen.
    Wir können ja wohl alle freidlich miteinander essen!

    • PS schreibt:

      Hey Made,

      freut mich, dass du auch den Weg hierher gefunden hast und mal wieder von dir hören lässt. 🙂

      Obst und Süßigkeiten? Hört sich sehr ausgewogen an. :p

      LG

  3. PS schreibt:

    Sehr geehrter Trollinger,

    ich danke Ihnen für diesen schönen Beitrag zum Thema und hoffe Sie beehren diesen Blog bald wieder.

    PS: Heut Abend gibts Rumpsteak… auch Rostbraten genannt. 😉

  4. Suomieven schreibt:

    Großartiger Beitrag!! Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können. 🙂

    Danke!

    Even

  5. Pingback: Ehec Stamm(tisch) Teil 2 | Studieren in Karlsruhe

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