Die Herrschaft des Papiers

Ich möchte beim Lesen das Papier spüren, die Druckerschwärze riechen, das Rascheln hören wenn ich die Seiten umschlage und danach zuschauen, wie das Buch im Regal verstaubt.

Habt ihr euch schon mal im Zug gequält beim Lesen eines Buches im Taschenformat, welches immer von alleine zufallen möchte. Habt ihr auch noch nie den Drang verspürt einen eurer Romane oder Krimis noch einmal zu lesen. Und stehen diese Bücher nicht schon ewig in eurem Regal und ihr schaut nur selten bewusst in ihre Richtung, um euch an ihrem prächtigen Buchrücken zu erfreuen.

Papier

Kein anderes Medium auf diesem Planeten hat sich solange gehalten und kämpft nun umso erbitterter gegen sein nahendes Ende, wie das Papier. Doch reflektieren wir den Niedergang andere Medien, wie z.B. der CD, die ihrerseits im Vorfeld schon die Schallplatte ablöste. Erhöht sich der Komfort für den Konsumenten und stimmt sowohl Qualität als auch Preis, so siegt der Fortschritt immer. Die MP3 hat der CD schon vor ca. 13 Jahren den Dolchstoß versetzt und nun blutet das Medium langsam aus. Damals wollte es die Musikbranche nicht wahrhaben, aber anstatt sich dem Fortschritt hinzugeben, entschied man sich sein Lieblingsmedium zu verteidigen. Die Käufer flüchteten deshalb zu den Raubkopien, da die großen Musikkonzerne keine gerechten Preise für den Kauf von MP3’s machen wollten.

„Die Printmedien sind tot!“

Überall hört man derzeit diesen Ausspruch, nur aus den Mündern der Zeitungs- und Buchverlegern kommen nur zögernde Annäherungsversuche. Man glaubt nicht an den Untergang der Printmedien, doch es wird passieren. Zwar nur langsam und leise, aber das Buch wird seine Vormachtstellung bei der Darstellung geschriebenen Wortes verlieren. Ebook-Reader und Tablets haben den Durchbruch geschafft und bieten optimale Bedingungen und Komfort für die Veränderung der Lesegewohnheiten. Spätestens mit der nächsten Generation an Leseratten, die mit dieser Art des Lesens aufwachsen, die andere

OLED

Prioritäten haben als sich an einem vollen Bücherregal im Zimmer zu ergötzen, spätestens dann wird der Papiernostalgiker geboren. Vielleicht liest man dann auf faltbaren OLED-Displays und betrachtet seine Bücher in einem virtuellen  Regal, welches man über soziale Netzwerke jederzeit und überall seinen Freunden präsentieren kann. An Universitäten, Schulen und Büros wird endlich das papierfreie Lernen bzw. Arbeiten praktiziert und zudem ist das lästige Schleppen von schwerer Fachliteratur ebenfalls Geschichte. Meine komplette Bibliothek habe ich nämlich ab sofort jederzeit dabei. Dort stehen auch meine selbst geschriebenen Bücher, denn jedermann kann ab sofort Bücher veröffentlichen. Einen Verlag braucht es dazu nicht mehr unbedingt. Wenn die Verlage nicht schon im Vorfeld diese Veränderung akzeptieren und mitgestalten, wird es einige davon sowieso nicht mehr geben. Schon heute spüren Zeitungen den Rückgang ihrer Auflagen, Amazon verkauft in den USA mehr Bücher für ihren Reader Kindle als in gedruckter Form, ein Vielzahl von Menschen informieren sich über Weltgeschehen nur noch online und trotzdem gehen nur wenige Tageszeitungen mit attraktiven Angeboten für „Digitalkunden“ voran. Die Frankfurter Rundschau mit einem 24 Monate Abo inklusive iPad ist hier eindeutig positiv hervorzuheben. Hier hat man es geschafft eine qualitativ hochwertige Adaption der Printausgabe auf die neuen Wiedergabetechnologien zu bewerkstelligen und dies zu einem nur minimal höheren Preis. Hätte ich ein monatliches Einkommen, gäbe es wieder einen entjungferten Zeitungneukunden.

 

Nostalgiker wird es auch weiterhin geben, so wie es Verfechter von Schallplatten gibt, die den mangelnden Komfort als haptische Befriedigung interpretieren und die Musik so wahrlich in den Händen halten können. Vinyl hat neuerlich sogar wieder an Einfluss gewonnen und den Status einer Art Luxusprodukt erhalten. So könnte es auch in ferner Zukunft dem Buch ergehen. Es wird teurer sein wie ebooks, es wird Platz in meiner Wohnung rauben, es wird unhandlicher und schwerer sein. Doch trotzdem wird es Menschen geben, die an gedruckten Büchern ihre Freude finden und mit ihrer Papierfahne mit gekreuzten Lesezeichen auf weiß-grauem Grund (Recyclingpapier) in die Schlacht gegen den virtuellen Feind ziehen. Auch wenn sie irgendwann einsehen werden, dass dieser Kampf nicht zu gewinnen ist…

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2 Antworten zu Die Herrschaft des Papiers

  1. Jarg schreibt:

    Naja, ob das Buch wirklich diesen Kampf verliert, da habe ich noch meine Zweifel. Haptik und „Benutzeroberfläche des Buches bleiben für mich allen E-Book-Readern, Tablets und iBlas zum Trotz unschlagbar. Und nichts wäre unsinnlicher, als seinen Kindern einen USB-Stick mitzubringen mit den Worten „Guck mal, Kinder, hier sind die neuesten Bilderbücher aus der Bibliothek – ladet Euch mal fein runter“. Wir werden sehen …

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