Restaurantkritik: Hoepfner Burghof

Mitten in Karlsruhe,  hinter den altehrwürdigen Mauern der Hoepfner-Burg und unter dem hellen Schein des Hoepfner-Monds, kann man hervorragende, gutbürgerliche und regionale Küche genießen. Auf der Internetpräsenz wird diese als traditionelle, badische Küche angepriesen. Vorweg gilt es allerdings zu sagen, man könnte  badisch auch durch schwäbisch ersetzen. Denn zu meiner Freude gab es hier Spätzle und Maultaschen in vielen Variationen. Als patriotischer Exilschwabe ist es jedoch meine Pflicht, diesen Fauxpas hier anzuzeigen. Doch lassen wir die ewigen Rivalitäten gut sein und konzentrieren uns auf das Wesentliche.

Hoepfner Burghof / Karlsruhe

Das Ambiente des Burghofs ist natürlich einmalig. Von außen bietet die Höpfner-Burg natürlich ein sagenhaftes Ambiente, welches auch im Inneren durch einen gehobenen Brauhausstil besticht. Die Sitzgelegenheiten sind gut separiert und man fühlt sich sehr wohl im Gastraum, der aufgrund der Größe etwas belebt (lauter) sein kann. Die Tischdekoration war in Ordnung und es gab sogar einigermaßen hübsche Gewürzstreuer.  Bei Sauberkeit im Restaurant, auf den Toiletten und am Personal gab es nichts zu beanstanden.
-> Ambiente:    4 von 5 Punkten
-> Sauberkeit:   5 von 5 Punkten

Die Servicekräfte waren sehr aufmerksam und zuvorkommend. Zwischendurch bediente auch immer wieder der Chef persönlich und ebenfalls mit einem stetigen Lächeln auf den Lippen. Ausnahmslos lief der Service flott und ohne störende Wartepausen. Wobei man sich in Deutschland generell endlich mehr Zeit fürs Essen und Restaurantbesuche nehmen sollte. Franzosen, Italiener und Spanier leben hier eine entschleunigte Mentalität vor. Aufgrund der Größe des Restaurants kann man natürlich von einer eher unpersönlichen Bedienung sprechen, was aber bei netter Begleitung nicht besonders wichtig ist.
-> Service:          4,5 von 5 Punkten

Beim Essen hat sich der Burghof ebenfalls nicht lumpen lassen. Kleine badische Festtagssuppe (3,50 €) vorausgehend machte, wenn es auch eine einfache Vorspeise war, Lust auf mehr. Eine schmackhafte Rinderbrühe mit Grießklößen, Flädle und Maultaschenstücken (die beiden letzteren Suppeneinlagen sind natürlich wieder schwäbischer Herkunft. Mich freut es aber, dass die schwäbische Küche in Baden angekommen ist). Hauptspeise war ein (schwäbischer) Zwiebelrostbraten mit Spätzle (16,50 €). Als weitere Beilage gab es hierzu noch eine Maultasche. Hatte ich noch nie gesehen, konnte mich als Maultaschenliebhaber aber sehr gut damit abfinden. Die Maultasche war köstlich und geprägt durch den Geschmack von magerem Speck und Petersilie. Der Zwiebelrostbraten war insgesamt sehr schmackhaft, dennoch konnte mich das Rindersteak nicht ganz überzeugen. Es war zwar schön rosa und saftig, machte mir aber mit einer mächtigen Sehne, die man am hinteren Ende des flachen Roastbeefs leider immer findet, zu schaffen. Den Salat zum Essen musste man sich an einem Buffet selbst holen. Generell bin ich kein Freund davon im Restaurant durch die Gegend zu spazieren, weshalb mir auch dieses Buffet nicht behagte. Krautsalat und Rettichsalat war super gewürzt und sehr lecker, Bohnen- und Nudelsalat überzeugten weniger. Mousse au Chocolat zum Abschluss war gekonnt und gab dem Abend ein süßes Happy End.
->  Essen:            4 von 5 Punkten

Wer gutes Essen aus der ländlichen, badischen (und schwäbischen) Küche schätzt, der wird hier sicher auf seine Kosten kommen. Man misst Restaurants wie der Burghof gerne an Mutter und Großmutter und hier kann es auf jeden Fall mithalten. Zudem gibt es das volle Hoepfner Biersortiment und eine schöne regionale Weinkarte, die man hier sicher gut in geselliger Runde probieren kann. Ansonsten möchte ich noch hervorheben, dass viele Gerichte auch in kleinerer Ausführung angeboten werden. Bei den üppigen Normalportionen ist dies auch durchaus sinnig.

GESAMTWERTUNG:  4,3 von 5 Punkten

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2 Antworten zu Restaurantkritik: Hoepfner Burghof

  1. Ourobouro schreibt:

    Was solll denn dieser permanente schwabische Kulturimperialismus?
    Sowohl das Auto (Bentz!), das Fahrrad (Drais!) und auch die Maultasche (Maulbronn!) werden immer zu Unrecht als würtembergische Erfindung beansprucht, und Spätzle und Zwiebelrostbraten sind auch keine spezifisch schwabische Erfindung, sondern historisches süddeutsches Allgemeingut vom Elsaß bis Ungarn.

    Haben es die Württemberger denn nötig, sich ständig mit fremden Federn zu schmücken?

  2. Anonymous schreibt:

    „Maultaschen“ sind wie der Schwabe selbst. In einem unliebenswürdigen Gewand verbirgt sich ein trefflicher Kern. Die dem Auge ungefällige Hülle birgt eine köstliche Fülle. (Thaddäus Troll)

    Ein bisschen Stolz auf seine Herkunft ist doch jeder, wir Schwaben (man möge uns verziehen) vielleicht ein wenig mehr. 🙂

    Nach meinen Recherchen zählte man Maulbronn ehemals zum schwäbischen Kreise und sprachlich gehört es noch immer eher dazu, (http://de.wikipedia.org/wiki/Schwaben) Die Grundidee für die Maultaschen kam wohl mit Glaubensflüchtlichen aus Italien.

    Baden hat kulinarisch wohl in der Geschichte wie ein Puffer für gastronomische Einflüsse von Frankreich und dem Süden gewirkt. Die schwäbische Küche ist dadruch eher schlichter und weniger facettenreich, die badische hochwertiger und durch Einflüsse aus Schweiz, Frankreich, Pfalz und letztlich auch Württemberg geprägt (man denke auch an Sonderanbau von Spargel, Tabak, Artischocken und guten Weinen in Baden). Es gibt nur wenig spezifisch badische Gerichte. Da die Maultasche ursprünglich ein „Resteessen“ ist und in der vielfältigen badischen Küche nur eine Randerscheinung, würde ich sie eher der schwäbischen Küche zuordnen, für die die einfache Teigtasche ein Grundpfeiler des kulinarischen Repertoires bildet.

    Grüße

    PS: Auto und Fahrrad dürfen Sie behalten. 🙂

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