Neulich im Zug… Teil 1

Eines ist Fakt und ich habe genug Beweise. – Zugfahrer erleben definitiv mehr als Autofahrer. Zumindest innerhalb des Gefährts bietet ein Zug unglaublich unterhaltende Momente und neue Lebenserfahrungen. Autofahrer erleben mehr zwischen den einzelnen Fahrzeugen, was jedoch meist mehr Potential zum Ärgernis inne hat und viele Nerven kostet. Um meine Behauptung mit Beispielen zu untermauern, möchte ich euch von einer Zugfahrt von Sinsheim nach Mannheim berichten.

Es war ein schöner Sonntagnachmittag und mein Zug schlängelte sich gerade entlang des Neckars durch den Odenwald. Ich starrte aus dem Fenster und genoss die schöne Landschaft entlang des Neckartals. Kurz vor Heidelberg steht plötzlich aus dem Nichts kommend ein kleiner Mann vor mir. Hatte ihn zuerst nicht richtig wahrgenommen und den Kopf fast schon wieder Richtung Fenster gedreht, als er mir einen Zettel vor die Nase hält. Ich schaue ihn nochmal an. Er scheint Südamerikaner zu sein und ich meine unterbewusst „Peru“ aufgeschnappt zu haben. Auf seinem billig anmutenden Ausdruck ist das Foto eines kaputten Hauses zu sehen und darunter ein Text, dass eine Flut das Haus seiner Familie zerstört hat. Die Familie ist nun obdachlos und braucht dringend Geld. Soweit so mysteriös. Der kleine Mann hat auch die ganze Zeit irgendetwas geredet, aber ich habe ihm eigentlich nicht zugehört. Ich wäge ab, ob ich ihm seine Geschichte glauben soll. – Nein, ich kaufe sie ihm nicht ab. Man muss ja grundsätzlich an das Böse im Menschen glauben und nicht daran, dass Peruaner mit kaputten Häusern kurz nach Heidelberg zum Betteln kommen, da ihnen nach einer Flutkatastrophe niemand zur Hilfe kam. Trotz alledem musste ich aber einsehen, dass der kleine Mann nicht gut aussah. Wie auch immer er in diese Lage gekommen ist, selbst- oder fremdverschuldet, so hatte er doch etwas Unterstützung verdient. Geld wollte ich ihm nicht geben, wie schon erwähnt, wegen dem Bösen und so. Ich hatte zwei große Dosen schwäbische Bratwurst im Rucksack. Klar würde ich die Dosen vermissen, aber ich erbarmte mich und gab sie ihm. So wusste ich, dass er wenigstens was Anständiges und Nützliches hat und mich in Ruhe weiter Zug fahren lässt. Nach Peru schicken kann man die Dosen auch. Schöne Vorstellung: Schwäbische Dosenwurst in Peru.

Peruaner „abgespeist“, die Fahrt ging weiter…

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