SK: Die „Good-Driver-Bad-Driver-Theorie“

Letztens habe ich meine S-Bahn verpasst… Ich war übers Wochenende bei meinen Eltern zu Besuch und wollte am Sonntag Mittag wieder zurück fahren. Meine Mutter gab mir das Versprechen mich zum Bahnhof zu bringen und hielt es auch. Wie es das Leben allerdings wollte, fuhr auf dem Weg zum Bahnhof vor uns ein Rentner, dessen Auto eine Geschwindigkeit innehatte, die schon fast an Verkehrsbehinderung grenzt. Wie immer in solchen Fällen gab es keine Möglichkeit zu überholen und die Hoffnung, der Rentner könnte irgendwann abbiegen, starb an jeder Kreuzung erneut.
Als unser Auto schließlich mit quietschenden Reifen vor dem Bahnhof zum Stehen kam, stand meine S-Bahn bereits an der Haltestelle. In filmreifer Leistung sprang ich aus dem Auto und legte einen wahrlich rekordverdächtigen Sprint entlang des Bahnsteigs hin. In dem Moment, als ich mit meiner rechten Hand die letzte Tür des letzten Waggons erreicht hatte, fuhr die Bahn los. Einfach so. Völlig gefühllos. Und ich blieb völlig außer Atem alleine am Bahnsteig zurück. So eine Scheiße. Ich ärgerte mich und wollte auf irgendjemand sauer sein, also gab ich dem S-Bahnfahrer die Schuld. Warum hatte er mich nicht mitgenommen? Als ob es ihn jucken würde, noch 10 Sekunden zu warten. Arschloch.

Bis zur nächsten S-Bahn musste ich 40 Minuten warten und hatte somit genügend Zeit über die Situation nachzudenken. Ich habe mich gefragt, was treibt einen S-Bahnfahrer zu so einer Tat? Was steckt dahinter. Und so entstand nach 40 Minuten meine „Good-Driver-Bad-Driver-Theorie“.
Und diese Theorie lautet wie folgt:

Überall in der Welt gibt es die Guten und die Bösen, nicht anders ist es auch bei den S-Bahnfahrern. Da gibt es zunächst die guten S-Bahnfahrer. Wenn sie jemand im Rückspiegel auf dem Bahnsteig rennen sehen, dann freuen sie sich diese Person noch im letzten Moment mitzunehmen. Etwa so wie ein Hirte, der seine Schäfchen einsammelt.
Dann gibt es aber auch noch die anderen, die bösen S-Bahnfahrer. Wenn sie jemand im Rückspiegel rennen sehen, dann sagen sie sich: „Ups, schade… und tschüss!“ Da fährt die Bahn dahin.
Und je nachdem was für einen S-Bahnfahrer man erwischt, hat man eben Glück oder Pech. Und ich hatte nun mal Pech.

Neuerdings habe ich meine Theorie allerdings noch mal überdacht und festgestellt, dass sie wahrscheinlich Blödsinn ist. Um den tausenden S-Bahnfahrern, die uns tagtäglich durch die Städte fahren, gerecht zu werden, habe ich meine Theorie also etwas abgeändert.
Ich kam zu dem Entschluss, dass das Verhalten eines S-Bahnfahrers maßgeblich von seiner Tagesform abhängt. Also an einem guten Tag nimmt er gerne Leute mit und hilft, während er an einem schlechten Tag einfach keine Lust hat. Das macht nämlich auch Sinn. Einerseits hat ja jeder von uns mal einen Tag, an dem er andere am liebsten auf den Mond schießen möchte und andererseits sollte ich vielleicht auch einfach mal pünktlich kommen!

In diesem Sinne: Gute Fahrt.

Gastautror SK

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Eine Antwort zu SK: Die „Good-Driver-Bad-Driver-Theorie“

  1. PS schreibt:

    Diese Theorie gehört in jedes anständige anthropologische Lehrbuch!

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